Gemeinde Bad Grund (pb). Erziehrinnen der Kindergärten  der Gemeinde Bad Grund und Eltern, deren Nachwuchs diese Einrichtungen besucht, trafen sich erstmals gemeinsam im Sitzungssaal des Rathauses in Windhausen, um sich über ein schweres und doch wichtiges Thema zu informieren: „Tod erleben –Abschied nehmen – wie begleiten wir dabei unsere Kinder?“. 

Als Referentin war Diakonin Andrea Brinkmann gekommen, die auch  Krippenberaterin und Mediatorin im Kirchenkreis Harzer Land ist. Sie erklärte, dass auch sehr kleine Kinder trauern können und müssen, dies aber ganz anders aussieht als bei den Großen. "Kinder springen in Trauerpfützen und wieder heraus wogegen Erwachsene darin waten wie in einem breiten Fluss. Es ist wichtig, die Kleinen gut dabei zu begleiten und zu versorgen."

Andrea Brinkmann informierte weiter, wie die Großen sie trösten und unterstützen können. Denn Kinder könnten auf Abschiede, Tod und Trauer gut "vorbereitet" werden. Schließlich hätten sie schon viele Abschiede erlebt: Abschied vom Mutterleib, vom Schnuller, vom Kuscheltier oder die kurzzeitige Trennung von der wichtigsten Bezugsperson. Dabei habe das Kind im besten Fall erlebt, dass es danach gut wieder weitergeht.

Außerdem gebe es schon im Kleinkindleben unendlich viele Dinge und Erfahrungen, die klar machten, dass alles einen Anfang und ein Ende hat: Ein Luftballon platzt oder wird von sich aus leer, leere Schneckenhäuser können ihm ebenso begegnen wie aufgebrauchte Stifte. Es müsste in jedem Fall angesprochen werden, dass das alles zum Leben  gehört. „So erwirbt ein Kind im Laufe der Zeit das Wissen, dass auch der Tod zum Leben gehört“, so die Referentin.

Dieses Gespräch werde aber nicht verhindern können, dass der Tod eines zum Haushalt gehörenden Menschen oder Tieres ein tiefer Einschnitt sein wird. Jedes Kind werde altersmäßig unterschiedlich damit umgehen und die Endgültigkeit nicht erfassen können. Denn bis zum Grundschulalter lebe es im „Jetzt und Hier“, ein "nie
wieder" könne noch gar nicht erfasst werden. 

Auch zögen sich Kinder oft mit ihrer Trauer zurück, weil sie die selbst trauernden Erwachsenen damit  "schützen" wollten. So komme oft die falsche Überlegung auf, dass die Kleinen nicht trauern könnten. „Das tun sie aber! -  Sie trauern im Prinzip aber tröpfchenweise!" Das erkläre, dass sie sich in einem Moment zurückzögen, weinten oder aggressiv seien, und im anderen fröhlich und ausgelassen. Das sei ihre Art, mit dieser Situation umzugehen.

Genau dann bräuchten die Kleinen  Halt. Dabei helfen Rituale, wie etwa das Anzünden einer Kerze beim Zubettgehen,  und das Weitergehen des normalen Alltags. Ebenso wichtig sei das klare Benennen "...ist tot" und nicht das Umschreiben oder Vermeiden des Unaussprechlichen. So könne beispielsweise die Formulierung "... ist eingeschlafen"  Angst vor dem abendlichen Einschlafen hervorrufen.

Das Zeremonieren einer kleinen Tierbeerdigung beim Fund eines toten Tieres könne gut tun und tragen, wenn es denn mal gelte, geliebte Menschen loszulassen und zu beerdigen. So wüssten sie schon in etwa, was ablaufen wird. Auch die Teilnahme der Kinder bei Beerdigungen der geliebten Menschen  in den meisten Fällen - bei guter Vorbereitung und Bereitschaft - für die Kinder wichtig und richtig. „Auch sie brauchen einen Punkt, eine Erinnerung an den klaren Abschied“.

Gut sei es dann, wenn das Kind jemanden zur Seite hat, der nicht in eigener Trauer gefangen ist.  „Gut begleitet und mit der Erfahrung, dass mit der Zeit selbst solche tiefgreifenden Erlebnisse liebevoll getragen und das eigene Leben gut geschützt ist, lassen die Kinder stark fürs Leben werden“.

Mit einer Fragerunde, in der die Teilnehmer nicht ohne Antworten blieben,  der Teilnehmer und einem üppigen Bücher - und Infomaterial schloss der Abend.

Diakonin Andrea Brinkmann beantwortete die Frage, wie Kindern erklärt werden sollte, dass der Tod zum leben gehört.