Windhausen. Bis zum April des letzten Jahres hatte er nicht nur mit 1,98 m eine stattliche Größe, sondern mit 180 kg auch ein sehr stattliches Gewicht. Heute ist er zwar immer noch fast zwei Meter groß, doch um einen guten Zentner leichter,

was seiner Beweglichkeit, seinem Selbstbewusstsein und seinem Alltag überhaupt sehr gut getan hat. Die Rede ist von Michael Badermann aus Windhausen.

Wenn er so zurückschaut, war er immer recht pummelig. Schon im Kindergarten wurde der heute 27jährige von Gleichaltrigen gehänselt. Daran sollte sich auch in der Schule nichts ändern. Doch, statt damit die Essbremse zu ziehen, versuchte er den Frust mit noch mehr Nahrungszufuhr zu ersticken.

Ab und an nahm ihn seine Tante an die Hand, um ihn mittels der unterschiedlichsten Diäten zu einem akzeptablen Gewicht zu verhelfen. Doch kaum verging etwas Zeit, wurden die Prioritäten anders gesetzt und er verfiel in den alten Essentrott. Zwei Brötchen zum Frühstück, drei Brötchen während der Arbeitspause, große Mengen von Nudelgerichten oder Currywürsten am Abend und zwischendurch auch alles andere, als kalorienarme Speisen. So sah sein Essensplan aus.

Nach der Schullaufbahn wollte er sich in die Arbeitswelt begeben, doch die schien auf so ein Schwergewicht nicht gerade gewartet zu haben. Er schaffte es zwar, den Beruf des Maschinen- und Anlagen-Führers zu erlernen, doch lange sollte er diesen Beruf nicht ausüben. Eine Fortbildung war angesagt, die ihn wieder in den Metallbereich führen sollte. Doch, wenn er sich vorstellte, erhielt er wieder stets eine Absage.

Erst, als er frustriert und nicht mehr an sich selbst glaubend nach Bockenem  zu der Firma Andreas Mull Werkzeugbau- und Zerspanungstechnik GmbH kam, sollte er ein wenig Aufwind verspüren. Denn Felix Mull  wollte ihm eine Chance geben.

Ganz langsam wurden Michael die körperlichen Probleme ebenso bewusst, wie die Schwierigkeiten, passende Kleidung zu finden. Er musste letztendlich aufs Internet zurückgreifen, um beispielsweise T-Shirts in 7XL zu bekommen.

Dass er etwas ändern musste, wurde ihm immer klarer. So sprach er seinen Cousin Patrick Schmidt an und bat ihn darum, ihm bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Als er dann den Fitnesscoach André Bischoff  in Bad Grund traf, sollte es mit seinem Gewicht abwärts und seiner Kondition aufwärts gehen. Denn sein Trainer half ihm nicht „nur“ mit den unterschiedlichsten Sportgeräten richtig umzugehen, sondern auch die Süßigkeiten gegen Obst einzutauschen. Als sein Cousin aufgrund Ratsarbeit, Studiums und Arbeit aus zeitlichen Gründen nicht mehr permanent mitziehen konnte, gab Michael nicht auf. Vielmehrbaute er in seiner Motivation ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Trainer André auf.

Mit jedem Kilo, welches sich verdünnisierte, wuchs das Selbstwertgefühl des jungen Mannes. Vor Freude an die Decke wäre er am Liebsten gesprungen, als die konkrete Abnahme ihm eine Festeinstellung in dem Betrieb in Bockenem einbrachte. „Mein Chef sagte, ich wäre jetzt kein Risikofaktor mehr, was ihn sehr freue“.

Was Michael ganz riesig freute, war neben dem festen Jobs auch, dass er sich jetzt viel draußen aufhält, ohne sich zu schämen oder gleich körperlich kaputt zu sein. So weilte er nicht bloß beim Lichterfest in Bad Grund, sondern machte sich unter anderem per Pedes auf den Weg zum Brocken. Er will auch einen Drahtesel besteigen. Denn all das bereitet ihm viel Spaß. Sogar ein Kinobesuch ist jetzt wieder möglich. „Früher hätte ich mir das gar nicht zugetraut“.

Michael Badermann will aber noch zehn Kilo abnehmen und bestimmt nicht mit dem Fitnesstraining aufhören. Denn eines steht für ihn fest: Er möchte nie wieder ein Schwergewicht werden.

Michael Badermann (auf dem Ergometer) freut sich mit seinem Trainer André Bischoff riesig über den Gewichtsverlust. Foto: Bordfeld