Markus Langermantel ist seit 2015 der Küster der evangelischen St. Mauritius Kirchengemeinde in Gittelde. Sein Arbeitsalltag gestaltet sich vielfältiger als man denkt

Gittelde (hn). Wenn man an den Beruf des Küsters denkt, verbinden wohl viele damit, dass dieser die Kirche auf- und zuschließt und die Gottesdienste vorbereitet.

Doch die Arbeit eines Küsters ist viel mehr als das, und zwar im besonderen Maße in Gittelde, wo die St. Mauritius-Kirchengemeinde im Gegensatz zu anderen auch noch für die Friedhofsarbeiten zuständig ist.

Seit Januar 2015 ist Markus Langermantel der Küster in Gittelde und löste damit seinen Vorgänger Klaus Schönfeld ab, der in Rente ging. Durch einen Todesfall und zwei Erkrankungen innerhalb seiner Familie war Langermantel, der ursprünglich Bäcker gelernt und später in einem physiotherapeutischen Beruf arbeitete, auf der Suche nach einem Job, der näher an seinem Wohnort in Gittelde lag. Er habe Glück gehabt und bekam die Stelle, so der 53-Jährige, der betont, dass ihm nichts Besseres hätte passieren können. Seine vielen Aufgaben könne er teilweise  recht flexibel gestalten. Zumal manche Arbeiten, wie zum Beispiel das Rasenmähen im Sommer und das Schneeschieben im Winter, sowieso vom Wetter abhängig seien.

Vom Glühlampen auswechseln, Sauberhalten der Räume, Vorbereitungen der Treffen im Pfarrhaus bis hin zur Grünpflege und sogar dem Ausheben kleinerer Urnengräber, gestaltet sich der Arbeitsalltag vielfältiger als man es als Außenstehender vermuten mag. „Ich bin im positiven Sinn das Mädchen für alles“, sagt er und lächelt. An Feiertagen ist Langermantel natürlich besonders gefordert, da Blumenschmuck organisiert, Bücher ausgelegt, der Altar geschmückt und der Gottesdienst allgemein vorbereitet werden muss, um nur einiges zu nennen. Langermantel ist dadurch, dass die St.  Mauritius-Kirchengemeinde zwei Kirchen hat, auch für das Sauberhalten dieser beiden zuständig, ebenso wie für das Pfarrhaus. Selten sei auch, dass hier in Gittelde noch die Kirchengemeinde für die Friedhofsarbeiten, wie Sauberhalten der Wege, Beschneiden der Büsche, Entsorgen des Grünabfalls und Führen des Sterberegisters, zuständig sei. Andere Kirchengemeinden haben diese Aufgaben an die Kommunen agbegegeben.  Auch das erledigt Langermantel, dessen Wochenarbeitszeit eigentlich nur 27,5 Stunden betrage, was aber bei Weitem nicht ausreiche. "Auf die Zeit sehe ich manchmal gar nicht". Unterstützung erhalte er vom Kirchenvorstand und von der der Pastorin Melanie Mittelstädt. Dennoch würde er sich sehr freuen, wenn sich auch wieder mehr Ehrenamtliche engagieren würden. Früher wurden diese Arbeiten eines Küsters vom sogenannten Opfermann, der auch Lehrer war, verrichtet. Dieser war nicht festangestellt und erhielt seinen Verdienst anhand einer Aufstellung im Güterbuch der beiden Kirchen für bestimmte Leistungfen und teilweise auch in Naturalien, wie etwa nach einer Trauung die Brautsuppe.

Langermantel bereite die Arbeit sehr viel Freude, denn gerade das Zwischenmenschliche schätze er ganz besonders. Er erlebe viele schöne, aber auch viele traurige Geschichten, die er mit den Betroffenen teile. Gerade der Umgang mit den Menschen sei es, der diesen Beruf für ihn so ausfüllend gestalte. „In unserer schnelllebigen Zeit kommt das Zwischenmenschliche oft viel zu kurz“, so Langermantel, dabei sei es gerade wichtig, auch mal etwas zurückgeben zu können. Dadurch, dass er selbst innerhalb der Familie mit der Sterblichkeit konfrontiert sei, denke er heute anders über das Leben.

Während des Gesprächs in der oberen Kirche fällt dem 53-Jährigen plötzlich auf, dass hier auch mal wieder die Spinnenweben entfernt werden müssen. Angesichts der Deckenhöhe von bestimmt sechs Metern, fragt man sich jedoch zunächst, wie das gelingen soll. „Dafür haben wir einen wirklich riesig langen Staubwedel“, so Langermantel schmunzelnd. „Da die Kirche schon über Tausend Jahre alt ist, nenne ich sie auch gerne ‚alte Dame‘, und eine alte Dame möchte auch gepflegt werden“. Er sei stolz auf diese Kirche, sie  sei hell, hübsch und habe einen schönen Altar. Ein besonders schöner Moment sei, wenn er sonntags morgens die Gottesdienste vorbereite, und das Morgenlicht durch die Kirchenfenster einfalle. Das sei eine ganz besondere Stimmung, in der eine gewisse Ruhe liege. „Dann bin ganz gerne auch mal alleine hier. Aber manchmal boxt hier auch echt der Paps, wie man so schön sagt“, sagt Langermantel humorvoll, aber gerade das sei auch das Schöne an dem Beruf des Küsters, der Wechsel zwischen all den zahlreichen Aufgaben mit ihren unterschiedlichen Stimmungen.

Vorbereitung auf den Gottesdienst: Markus Langermantel ist als Küster auch für die Einrichtung des Altars verantwortlich. Auf einem Altar gehören immer nur Schnittblumen, die durch ihr langsames Verwelken die Vergänglichkeit des Lebens symbolisieren (Foto: Herma Niemann).

Wer glaubt, ein Küster schließe nur die Kirchentüren auf und zu und bereite den Gottesdienst vor, der irrt. Zu dem Berufsbild gehören zahlreiche und vielfältige Aufgaben (Foto: Herma Niemann).