Gittelde (pb). Der bereits sechste Büttengottesdienst hatte erneut dafür gesorgt, dass sich die St. Mauritius-Kirche in Gittelde in einen gut gefüllten Konzertsaal verwandelte. Es gab aber auch eine Premiere: Zum ersten Mal waren im Projektchor nicht „nur“ Frauen zu hören sondern auch zwei Männer.

Pfarrerin Melanie Mittelstädt hatte alte Lieder mit neuen Texten versehen, und traditionsgemäß reimte sich ihre Büttenpredigt am Zeilenende. An ernster, zum Nachdenken animierender Bissigkeit fehlte es ihr auch diesmal nicht.

Diese am Sonntag vor dem Rosenmontag stattfindende liturgische Feier wollten nicht bloß Bürger aus der Gemeinde Bad Grund nicht versäumen. Und sie wollten die von Pfarrerin Melanie Mittelstädt, Dorothea Uthe-Meyer, Silke Lau, Ursel Kronjäger, Ursel Schaper, Helga Grudziecki, Friedel Dapra und Norbert Barkhoff angestimmten Lieder nicht nur hören, sie wollten auch aus ganzem Herzen und voller Kehle mitsingen. Schließlich sprachen die mit aktuellen Texten versehenen Evergreens allen aus der Seele.  Kirchenvorstandsvorsitzender Gerhard Meier sang nicht mit, er begleitete jedes einzelne Lied gekonnt auf dem wohl gestimmten Keyboard.

Die Pfarrerin mahnte an, dass bei Karneval Jubel, Trubel und Heiterkeit bestimmt nicht zu kurz kommen sollten. Wer aber genau hinschaut, dem falle auf, dass gerade die Umzüge das wirkliche Geschehen unter die Lupe genommen haben oder noch tun werden. Denn Leid und Not würden nicht einfach weggefeiert werden, sondern ganz klar beim Namen genannt. Man müsse sich endlich daran machen, etwas zu ändern. Denn die Welt sei noch lange nicht so, wie Gott sie doch gedacht hatte. Sie brauche viel mehr Glaube, Hoffnung und Liebe und – wie die Predigt vielfältig ausführte – neue Herzen. 

In der heutigen Zeit müsse zum Beispiel versucht werden, den Pessimisten optimistisches Schauen und Denken zu erklären und beizubringen, ihnen quasi ein neues Herz zu schenken. Nur so könne es geschafft werden, das seelische und körperliche Leid, welches weltweit in den unterschiedlichsten Variationen anzutreffen sei, in den Griff zu bekommen. Gott helfe letztendlich dabei, den richtigen Weg aus der Nacht heraus in den Tag zu finden.

Neben den ernsten Gedanken präsentierte sie auch noch zwei Geschichten, die mindestens zum Schmunzeln einluden. Die erste Geschichte handelte von zwei innerlich ungleichen Zwillingen. Während der pessimistische Zwilling sich Sorgen darüber machte, was alles mit seinen vielen Geburtstagsgeschenken geschehen könnte, schlussfolgerte der optimistische Zwilling beim Auffinden seines Geschenkes in Form eines Pferdeapfels, dass irgendwo auch ein Pony sein müsse. Die zweite Geschichte handelte von zwei Freunden, die seit einer missglückten Probefahrt, bei der mit dem Auto auch die Freundschaft zu Bruch ging, nicht mehr miteinander redeten. Heilend wäre aber das Gespräch - und neue Herzen, die zur Vergebung bereit sind. Doch wer macht den ersten Schritt?

Aber nicht „nur“ die Büttenpredigt lud zum Nachdenken und Schmunzeln ein. Gleiches taten die Lieder. Überhaupt war es der Pfarrerin gelungen, die Lieder richtig zwischen die gesprochenen Worte zu positionieren.

Letztendlich sprach sie all denen ein Dankeschön aus, die Musik mit machten und all denen, die gekommen waren. Es wäre einfach schön gewesen, mit so vielen Menschen diesen Gottesdienst zu feiern. Einen Gottesdienst, der wohl nicht mit dem Aschermittwoch in Vergessenheit geraten wird.

Bild oben: Sie luden zum Mitsingen ein: Norbert Barkhoff, Ursel Kronjäger, Ursel Schaper, Gerhard Meier, Helga Grudziecki (hi. v. li. n. re.), Dorothea Uthe-Meyer, Silke Lau, Melanie Mittelstädt, und Friedel Dapra (vorne vo. li. n. re.). Fotos: Bordfeld