Bad Grund (lp/ps). In einer älteren Ausgabe der ehemaligen Bad Grundner Wochenzeitung „Der Oberharzer“ stand einmal die Schlagzeile „Vom Kartoffelacker zum Dorf“.

Auch heute noch ist dieser Satz wohl die kürzeste Form der Entstehungsgeschichte der Siedlung Taubenborn. Tatsächlich war bis Anfang der 50er Jahre rund um den Todtemannsteich nur Ackerland. Inzwischen ist ein Ortsteil von Bad Grund entstanden, dem bis zum heutigen Tag eine gewisse Eigenständigkeit nicht abgesprochen werden kann.

Zur damaligen Zeit war die Belegschaft des ehemaligen Erzbergwerkes auf über 1.300 Beschäftigte angewachsen. Die Werksleitung und die kommunalen Gremien beschlossen, für ihre Bergleute Wohnraum in der Nähe ihrer Arbeitsstätte zu schaffen. Von der Gemeinde Gittelde konnte das notwendige Land erworben werden und in der Wohnungsbaugesellschaft Bad Gandersheim wurde ein geeigneter Partner gefunden. Als Hauptinitiator muss an dieser Stelle der damalige Bergwerksdirektor Dr. Salau genannt werden. Ihm zur Seite stand der damalige Geschäftsführer der Wobau GAN, Karl Brünig. Beide ahnten sicherlich nicht, was sie mit ihrem ehrgeizigen Projekt auf den Weg brachten.

In dem Haus, vor dem sich heute die Bushaltestelle befindet, wurde das Baubüro eingerichtet und in der heutigen Schlesierstraße entstanden die ersten Häuser. Im Juni 1953 war es dann soweit: die ersten 36 Wohneinheiten konnten bezogen werden. Und da der Teich sich als Mittelpunkt für die neue Siedlung geradezu anbot, entstand nach und nach rund um ihn das oben erwähnte „Dorf“. Im Jahre 1955 gab es dann die ersten Siedler am Taubenborn.  Diese Zeit muss als Ursprung für die Werte angesehen werden, welche die Bewohner der Siedlung Taubenborn geprägt haben, und die auch über die Grenzen Bad Grunds hinaus anerkannt sind: Zusammengehörigkeitsgefühl-Gemeinschaftssinn - Nachbarschaftshilfe.

Zahlreiche Überstunden an Wochenenden waren notwendig, um den Abtrag für das Haus begleichen zu können. Und wenn man sich nicht immer wieder gegenseitig geholfen hätte, wäre wohl der Eine oder Andere zur Aufgabe gezwungen gewesen. Dieses Verhältnis untereinander hat die „Taubenborner“ dermaßen zusammengeschweißt, dass die Bergstadt zeitweise regelrecht geteilt war. Auf der einen Seite des Bergwerks lag im Tal Bad Grund und auf der anderen Seite „Der Taubenborn“.

Ende der fünfziger Jahre bekam man eine eigene Kirche, es gab einen Schlachter, später als Lebensmittelgeschäft den „Konsum“. Und die eigene „Kneipe“ lud zu geselligen Stunden ein. Auch Volksbank und Toto-Lotto wollten sich nicht entziehen; sie hatten jahrelang eine kleine Filiale bzw. Annahmestelle. Leider ist vieles inzwischen nicht mehr vorhanden.

Anfang der sechziger Jahre wurden zwei Gemeinschaften aus der Taufe gehoben, die für das heutige Aussehen der Siedlung von besonderer Bedeutung sind: die Siedlergemeinschaft und die Angler-Interessengemeinschaft. Die Anwohner begannen, sich einen Bereich zu schaffen, in dem es sich zu wohnen lohnt. In Eigeninitiative wurden Bäume, Büsche und Sträucher gepflanzt, so dass die Anlage rund um den Teich einen parkähnlichen Charakter erhielt. Der Teich wurde sauber gehalten, rund herum ein Weg angelegt und Bänke wurden aufgestellt. Und auch an die Kleinsten wurde gedacht, sie bekamen einen Spielplatz. Natürlich wäre dies alles nicht möglich gewesen, wenn die Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung nicht so gut gewesen wäre und auch heute noch ist.

Wenn man von der Entwicklung der Siedlung spricht, dürfen zwei Namen nicht unerwähnt bleiben. Zum einen Karl Röttger, der 30 Jahre lang als Siedlergemeinschaftsvorsitzender die Anwohner zusammengehalten hat und ihnen immer wieder klarmachte, dass man nur gemeinsam stark ist. Zum anderen war es Heinz Grupe, der sich im Rat der Bergstadt und als Samtgemeindebürgermeister für die Interessen der Siedler einsetzte.

Die Anwohner der Siedlung beschränkten sich nicht nur auf ihre ureigensten Bedürfnisse, sondern sie zeigten und zeigen, dass ihnen auch das Gemeinwohl am Herzen liegt. Sie sind in fast allen Vereinen und kommunalen Gremien vertreten und zeigen hier Initiative. Wie selbstverständlich entstanden im Laufe der Zeit auch noch andere als die schon genannten Gemeinschaften oder hatten zumindest hier ihren Ursprung. Zu nennen sind die Osterfeuergemeinschaft, der Eishockey-Fanclub, der Ski-Club, der Förderverein „Glück-Auf-Kampfbahn“, das „Tourist-Zentrum“ und natürlich der Musikzug Taubenborn.

Die Siedlung ist stetig gewachsen, hat mit dem Neubaugebiet einen Touch von „Klein Tirol“ bekommen und ist nach dem Rückzug der Preussag zu einem reinen Wohnbereich geworden, welcher ein fester, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Bergstadt Bad Grund ist. Sie ist Zielpunkt von Wanderern und Spaziergängern und die „Taubenborner Wiese“ ist Austragungsort für zahlreiche Veranstaltungen, mit dem alljährlichen Lichterfest des Musikzuges als Höhepunkt.