Tradition in den Oberharzer Bergstädten

Bad Grund (ps). Das Johannisfest hat eine lange Tradition in den Oberharzer Bergstädten.  Für das Fest zur Sommersonnenwende  wird eine große Harzer Fichte zum Tanz um den Johannisbaum aufgestellt.

Die Baumspitze ziert nach traditioneller Überlieferung eine aus Eichenlaub und frischen Sommerblumen gebundene Krone. Und nicht nur Papiergirlanden zieren die Fichte, sondern bunte Eierketten werden in die Zweige gehängt. Hunderte von Eiern werden ausgeblasen, gefärbt und zu einer Eierkette zusammengefügt in den Baum gehängt.

Das Johannisfest wird auf die verschiedenste Art nicht nur in ganz Deutschland, sondern in vielen Ländern gefeiert. Doch nur im Oberharz ertönt der Gesang „Tripp, Trapp, Käsenapp heute ist Johannistag“. Käsenapp ist eingelegter Harzkäse nach einem alten Geheimrezept, dazu gibt es noch den Johanniburger und frisch gebackene Eierkränze.

Zum Tanz um den Johannisbaum ertönen volkstümliche Weisen, alte und neue Johannislieder werden gesungen und die Johannisband spielt zum Tanz auf. Für die Kinder und Jugendlichen am Tag und für die Erwachsenen am Abend bis in die Nacht.

In der Bergstadt Bad Grund wird das Johannisfest seit 42 Jahren von der Johannigemeinde Adeles Ecke ausgerichtet. Eine Nachbarschaftsgemeinschaft von Jung und Alt rund um Adeles Eck im Herzen der Bergstadt, eingangs der Helmkampffstraße. Und seit 29 Jahren auch auf dem Taubenborn, eher familiär von engagierten Müttern und Vätern ausgerichtet.

Die Geschichte des Johannisfestes in Bad Grund zeigt ein Auf und Ab. Nicht hinsichtlich der Gestaltung und des Ablaufes, die sind weitgehend gleich geblieben. Vor dem Jahre 1975, ab dem die Johannigemeinde Adeles Eck die Ausrichtung übernahm, waren es die Schule, die Kirchengemeinde oder der Magistrat der Bergstadt. Auch in vielen Straßenzügen gab es bis zu acht Johannisbäume, so wie heute auf dem Taubenborn.

Der Geheime Sanitätsrat August Helmkampff, Mitbegründer des Kurortes Bad Grund, hatte einst versucht, der Bergstadt die Ausrichtung des Johannisfest als Aufgabe zu übertragen, indem er die Bergstadt in seinem Testament bedachte, mit der Auflage, das Johannisfest am 24. Juni zu veranstalten. Falls dieser Tag ein Werktag sei, am darauffolgenden Sonntag.

Als die Stadt die Auflage nicht mehr erfüllen konnte, wurde diese gegen die Zahlung einer Abfindung abgelöst. Ab dem Jahre 1975 hat die Johannigemeinde die Ausrichtung des Johannisfestes übernommen.  In den letzten Jahrzehnten hat sich das Fest zu einer Veranstaltung entwickelt, auf die sich Gäste und Einwohner gleichermaßen freuen. Insbesondere natürlich die Kinder und Jugendlichen. Einst wurden zum Tanz um den Johannisbaum nur die Johannislieder gesungen. Heute gibt es neben Gesang und Tanz lustige Spiele, wie Eierlaufen und ein Bobby-Car-Rennen, von den Kindern begeistert aufgenommen.

Doch nicht nur die „Junge Generation“ hat ihren Spaß, die „Ältere Generation“ verfolgt das lustige Treiben und hat sich viel zu erzählen. „Das Johannisfest dient der Begegnung zwischen Jung und Alt und hat einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Gemeinde“, hebt Johannivater Manfred von Daak hervor. Ohne das große ehrenamtliche Engagement seiner „Gemeindemitglieder“ sei das Johannisfest nicht durchführbar, ohne die Unterstützung durch andere Vereine ebenfalls nicht. Neben dem Spiel der Johanniband zum Tanz um den Johannibaum auch der Auftritt der Harzheimatgruppe des Harzklubzweigvereins.,

In diesem Jahr sei man zur Begleichung der anfallenden Kosten nicht nur auf die Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken angewiesen. Insbesondere den zahlreichen Kuchen, die jedes Jahr gespendet werden. „Von der HarzEnergie hat die Johannigemeinde eine größere Spende erhalten!“ zeigten sich Johannivater und Ortsbürgermeister Manfred von Daak gleichermaßen erfreut.

Die Veranstalter des  Johannisfestes wurden auch in diesem Jahr wieder durch eine große Besucherschar belohnt. Nicht nur eine Begegnung zwischen Jung und Alt, sondern auch zwischen Einheimischen und Gästen des Kurortes. ps

Foto oben: Tanz um den Johannisbaum vor der St. Antonius-Kirche


Tanz um den Johannisbaum am Taubenborner Teich

 

Tante, wir wollen beide tanzen.

 

Die ganze Familie kam zum Johannisfest

 

Ein besonderes Spiel unter dem Johannisbaum

 

Die „Harzer Roller“ spielten für die zahlreichen Besucher. Fotos. Peter Schwinger