Mit einer Sonderführung beging der Bergbauförderverein der Schachtanlage Knesebeck am Sonntag den UNESCO-Welterbetag. Eine Gruppe begab sich auf eine Expedition durch den Oberen und Unteren Eichelberger Wasserlauf

Bad Grund (hn). Anlässlich des UNESCO Welterbetages am Pfingstsonntag öffnete auch die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund ihre Tore und würdigte diesen Tag mit einer Sonderführung durch den Oberen und Unteren Eichelberger Wasserlauf der Schachtanlage Knesebeck.

Rund 20 Teilnehmer konnte der ehemalige Bergmann und Vorsitzender des Knappenvereins Gerd Hintze am Vormittag begrüßen. Nachdem die Tour-Teilnehmer mit Gummistiefeln, Schutzhelmen und Lampen ausgestattet waren, übernahm Hintze die Begrüßung im Museum der Anlage mit einer kurzen Einführung in Geschichte des Bergbaus und der Wasserversorgung in Bad Grund.

Die Schachtanlage Knesebeck gehörte zur 1992 stillgelegten Grube „Hilfe Gottes“, dem letzten Erzbergwerk im Harz und ist heute Teil des UNESCO Welterbes „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“. Im weitläufigen Freigelände sind Wasserkraftanlagen mehrerer Generationen zu besichtigen, von der mechanischen hin zur pneumatischen und elektrischen Energienutzung. Wahrzeichen im Zentrum der Anlage ist der 47 Meter hohe Hydrokompressorenturm von 1913. Als Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft erzeugte er bis 1977 Druckluftenergie für den Bergbau. Heute ist er weltweit der einzige erhaltene seiner Art.

Im Jahr 1831 sei der Bergbau in Bad Grund wieder aufgenommen worden, berichtete Hintze. Schon 1834 bis 1838 wurde mit dem Auffahren des Grunder Gefälles begonnen, das am Schultestollen beginnt. Der Schultestollen führte das benötigte Wasser von der Innersten über 1200 Meter zur Wiemannsbucht, wo der Obere Eichelberger Wasserlauf beginnt. Dieser ist 1100 Meter lang und geht bis Schöfhofsblick. Der Untere Eichelberger Wasserlauf ist eine Abteilung des Knesebeckschachts und ist 230 Meter lang. Mit niedrigem Gefälle läuft das Wasser den Oberen Eichelberger Wasserlauf entlang und auf die Schachtanlage Knesebeck zu. Neben dem Wasserlaufsystem sind bis heute noch die Radstuben erhalten. Das Wasser, das auf der Knesebeckanlage genutzt wurde, floss dann durch den Unteren Eichelberger Wasserlauf zum Achenbachschacht der Grube Hilfe Gottes, die sich selbst mit Strom versorgte, dort war die elektrische Zentrale. Auch nach Schließung des Bergwerkes, die rund drei Jahre andauerte, wurde noch bis 1996 das Wasser für die Turbinen genutzt, berichtete Hintze.

Von dem weit verzweigten Stollensystem sind heute noch für Besucher einige Teile befahrbar, wie der Bergmann zum Begehen sagt. Das Grunder Gefälle ist ein Teilbereich des historischen Harzer Wasserwirtschaftssystem, das über viele Jahrhunderte für die Energieversorgung der Harzer Erzgruben ausgebaut wurde.

Nach der Einführung machte sich die Gruppe zunächst auf den Weg zum Oberen Eichelberger Wasserlauf mit Rückwanderung zum Museum und den Radstuben, um anschließend auch Einblicke in den Unteren Eichelberger Wasserlauf zu erfahren.

Der UNESCO Welterbetag

wird in Deutschland seit dem Jahr 2005 immer am ersten Sonntag im Juni begangen und wird mit Veranstaltungen an allen Welterbestätten gewürdigt. Der Welterbetag wurde in Deutschland auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission und des UNESCO-Welterbestätten Deutschland ins Leben gerufen. Zum Welterbe in Deutschland gehören 41 Welterbestätten, darunter sind 38 Kultur-Erbestätten und 3 Natur-Erbestätten. Das erste deutsche Kulturgut, das Welterbe wurde, war 1978 der Kaiserdom in Aachen.

Bild oben: Ausgestattet mit Gummistiefeln, Schutzhelmen und Lampen begaben sich rund 20 Teilnehmer zu Fuß zum Mundloch des Oberen Eichelberger Wasserlaufs in Bad Grund.

Ein Schaubild im Museum der Schachtanlage Knesebeck zeigt die Wasserversorgung im Grunder Gefälle.

Fotos: Herma Niemann